Inmitten der tristen Reihenhäuser ein auffälliger Farbtupfer: Einzelne, farbenprächtig gestrichene Hausfronten erstrahlen im Stadtteil mit den charakteristischen Mehrfamilienbauten.
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Zwischen den beigen und grauen Tönen finden sich auch lilafarbene und gelb strahlende Häuser. Foto: David Ebener
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In den Seitenstraßen der Sutthauser Straße sind mehrere knallig angestrichene Hausfronten zu sehen: Von gestrichenen Putzfassaden zu übergepinselten Klinkerbauten. Foto: David Ebener
Einladend geöffnet, ist die weiße Tür eines sonnengelben Imbisses. Seit sieben Jahren betreibt Yücel Gür mit seiner Frau den Laden „PizzaDöner Land“ an der Sutthauser Straße.
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Selbstständig an der Sutthauser Straße: Yücel Gür in seinem Imbiss. Foto: David Ebener
An Kalkhügel schätzt er als Wohnort besonders, dass es im Viertel „keinerlei Ghettobildung gibt". Zusammen mit seiner Frau arbeitet er in dem Imbiss. Beide sind Migranten und fühlen sich im Stadtteil zu Hause.
Der gebürtige Türke kennt den Stadtteil gut. „In der Nachbarschaft hat schätzungsweise die Hälfte aller Geschäfte innerhalb der vergangenen Jahre geschlossen“, sagt Gür nachdenklich. Vor Kurzem schloss erst „Peters Fahrradladen“.
„Die Betreiber des Fahrradladens sind feine Leute gewesen.“ - Yücel Gür
Direkt am Anfang des Osnabrücker Wohnviertels – nahe des Rosenplatzes – befindet sich der frisch geräumte Laden.
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In diesem Jahr öffnete „Peters Fahrradladen“ Anfang August zum letzten Mal die mintgrüne Geschäftstür. Foto: David Ebener
Länger als drei Jahrzehnte gab es das lokale Geschäft, dessen zwei großflächige Schaufenster nun mit weißen Papierfolien und Plakaten verdeckt sind.
Noch besser als Ladenbesitzer Gür kennt Seniorin Christa Kuntze den Kalkhügel.
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Hat auch ihre Kindheit schon im Stadtteil Kalkhügel verbracht: Christa Kuntze. Foto: David Ebener
„Als Kinder haben wir in den Feldern gespielt - mit den Jahrzehnten ist dort jedoch alles bebaut worden.“ - Christa Kuntze
Den Blick Richtung Brinkstraße - einer Nebenstraße der Sutthauser Straße - gerichtet, fängt die Seniorin an zu erzählen, wie sich der Osnabrücker Stadtteil im Laufe ihres Lebens verändert hat.
Die lokalen Geschäfte wie einst der Schlachter weichen Handelsketten wie dem „Edeka“-Supermarkt oder einer Bäckerei der Marke „Middelberg“, die nun die Sutthauser Straße säumen. Die Läden locken mit ideenreichen Mitteln: Nahe des Eingangs vom Edeka hängt ein Plakat mit dem aktuellen Trendthema zahlreicher Jugendlicher.
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Die App "Pokémon GO" begeistert derzeit weltweit. Im Kalkhügel wird der Trend genutzt. Foto: David Ebener
Mögliche Pokéjäger gibt es dank der naheliegenden Schulzentren: In den Seitenstraßen befindet sich neben dem Graf-Stauffenberg-Gymnasium auch die Berufsbildende Schule (BBS) an der Brinkstraße. In den letzten Jahrzehnten vergrößerte sich der Campus der BBS hier zunehmend. Dadurch seien jedoch auch Probleme entstanden, berichtet Anwohnerin Gisela Meyer-Tobien.
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Die 63-jährige Gisela Meyer-Tobien wohnt nahe der BBS in der Brinkstraße. Foto: David Ebener
Auf der Sutthauser Straße herrscht am Vormittag reger Betrieb: Schulbusse, Linienbusse und Autos schlängeln sich dicht an dicht den Verkehrsweg entlang. Die viel befahrene Sutthauser Straße, die Lebensader des Viertels, wird stadtauswärts jedoch immer grüner. Die dichte Bebauung lockert sich.
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Über mehrere Kilometer zieht sich der Hauptverkehrsweg durch das Osnabrücker Wohnviertel. Foto: David Ebener

Überraschendes im Viertel

Im Hinterhof eines Getränkemarktes an der Sutthauser Straße liegt eine ehemalige Schokoladenfabrik.
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Das Tor zum Gelände steht offen. Süßwaren werden hier allerdings seit Jahrzehnten nicht mehr produziert. Foto: David Ebener
Seit 2010 befindet sich das Fabrikgebäude in Privatbesitz. Der Putz der Fabrik bröckelt stellenweise.
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Die Holzrahmen der Fenster sind teils abgesplittert. Foto: David Ebener
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Knallige Stoffvorhänge im Stil der 80er-Jahre verdecken einige Fensterfronten spielerisch. Foto: David Ebener
Eine weitere Besonderheit des Viertels: Neben den klassischen Handelsketten und kleineren Restaurants bereichern auch seltenere Läden den Stadtteil. Schräg gegenüber der früheren Geschäftsräume von „Peters Fahrradladen“ liegt eine Schmuckwerkstatt. Eine gelernte Goldschmiedin betreibt das handwerkliche Geschäft seit zwei Jahren. Das Schaufenster zeigt nicht nur Schmuckstücke wie selbst angefertigte Ringe, sondern auch die Werkbank der Künstlerin ist sichtbar.
Der Stadtteil Kalkhügel wirkt auf den ersten Blick wie ein Wohnviertel bestehend aus unzähligen, gleich aussehenden Reihenhäusern.
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Oft über mehrere Meter im Viertel zu sehen: Mehrfamilienhaus an Mehrfamilienhaus entlang des Fußgängerwegs der Sutthauser Straße. Foto: David Ebener
Doch beim Schlendern durch das belebte Viertel zeigt sich: Der Schein trügt. Ein Besuch lohnt sich nicht nur, wenn ein Mal im Jahr das bekannte Seifenkistenrennen im Kalkhügel ausgetragen wird. Rund 150 eigenhändig gebaute, aufwendig und farbenfroh verzierte Seifenkisten fahren dann um den Sieg. Wenngleich die außer Betrieb stehende Süßigkeitenfabrik auch keine Besucher mehr anlocken kann, so können es doch handwerkliche Geschäfte wie die Schmuckwerkstatt. Und wen das nicht überzeugt, der sollte einen Blick auf die Gärten und Hecken der Anwohner des Kalkhügels werfen.
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Neben den Standard-Blumenkästen und Gartenzwergen zieren hier zudem ausgefallenere Dekorationen die Gärten. Foto: David Ebener
Nicht nur solche besonderen Verzierungen schmücken den Stadtteil. Für einen gewissen Charme sorgen auch adrett gestutzte Heckentiere.
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Ein "Wachhund" ziert eine kleine Mauer vor einem Mehrfamilienhaus. Mit viel Liebe zum Detail: Selbst ein Halsband ist vorhanden. Foto: David Ebener
Das Grüntier verleiht der tristen Fassade Charme und zeigt: Die gleichförmigen Heime werden gemütlich hergerichtet - denn selbst ein Heckentier wird hier mit einem roten Halsband liebevoll versehen. Ein Charme, der mit den innenstadtnahen Wohnhäusern auch Familien mit Kindern lockt.
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Denn: Auch Nachwuchs wird im Kalkhügel mit der gleichen liebevollen Art öffentlich angezeigt und gefeiert. Foto: David Ebener